
Festpreis funktioniert nur mit festem Leistungsumfang
Festpreisprojekte haben aus immer demselben Grund einen schlechten Ruf: Der Preis stand fest, der Umfang nicht. Vage Anforderungen werden später mit Annahmen gefüllt, und der Streit kommt mitten im Projekt auf, wenn er am teuersten ist. Dann steht das Datenmodell, die Migrationen sind geschrieben, und die Änderung, die jetzt alle wollen, betrifft jede Schicht. Meistens entzündet sich der Streit an einer einzigen vagen Zeile im Angebot.
Was eine einzige vage Zeile kostet
Eine einzige Zeile in einem Angebot kann Wochen an Arbeit verbergen. „Produktkonfigurator“ ist das deutlichste Beispiel. Der Konfigurator auf aux-garagen.de hat 41 Optionen, und der größte Aufwand steckt in den Beziehungen zwischen ihnen. Optionen hängen von anderen Optionen ab, und manche Kombinationen schließen sich aus. Manche sind technisch möglich, sollen aber nicht verkauft werden, also muss etwas sie ablehnen, bevor ein Kunde einen Preis sieht. Preisregeln ändern sich mit der Zeit, deshalb speichert ein Angebot die Regeln, mit denen es berechnet wurde, sonst lässt es sich nicht mehr nachvollziehen. Währung und Mehrwertsteuer werden vorab festgelegt.
Serverseitiges Conversion-Tracking braucht dieselbe Sorgfalt. In unseren Leistungsbeschreibungen nennt die Tracking-Zeile jedes Event, von wo es gesendet wird, wie das Server-Event dem Browser-Event zugeordnet wird und was passiert, wenn ein Besucher die Einwilligung verweigert. Ohne diese Liste gibt es keinen vereinbarten Weg festzustellen, ob das Tracking fertig ist.
Was in das Dokument gehört
Wir halten den Umfang vor Entwicklungsbeginn schriftlich fest und stimmen ihn schriftlich mit dem Kunden ab: Seiten, Funktionen, Integrationen, die Zahl der Korrekturrunden und was ausdrücklich nicht dazugehört. Das Dokument liest sich wie ein Pflichtenheft. Jede Funktionszeile beantwortet dieselben Fragen, bevor sie aufgenommen wird:
Was sie auslöst und welches Ergebnis erwartet wird
Wer die Zulieferung übernimmt: Texte, Bilder, Produktdaten, Preislisten, API-Zugangsdaten
Was passiert, wenn etwas schiefgeht: eine ungültige Kombination, verweigerte Einwilligung, ein nicht erreichbarer Drittanbieter-Dienst
Wie das Ergebnis bei der Übergabe geprüft wird, nach Kriterien, die beide Seiten beobachten können
Was in dieser Zeile ausdrücklich nicht enthalten ist
Manche Zeilen sind organisatorisch, und sie gehören in dasselbe Dokument. Bezahlt wird 50 % bei Auftrag und 50 % bei Lieferung mit 14 Tagen Zahlungsziel, und das funktioniert nur, wenn „Lieferung“ schriftlich definiert ist.
Change Requests und Korrekturschleifen
Ein fester Umfang hat seinen Preis, und der trifft uns genauso oft wie den Kunden. Mitten in der Umsetzung hat jemand eine bessere Idee, und oft ist es tatsächlich eine bessere Idee. Wir schreiben sie als Änderungswunsch auf, statt sie stillschweigend mitzunehmen. Das Mitnehmen wirkt im Moment freundlicher und ist der Grund, warum Festpreisprojekte kippen: Der Zeitplan rutscht, ohne dass jemand das entschieden hat, und sichtbar wird es erst am Ende, wenn keine Zeit mehr bleibt, darüber zu reden.
Dieselbe Unterscheidung gilt für Korrekturen. Eine Korrekturrunde passt etwas an, das beide Seiten schon vereinbart haben; alles außerhalb des Dokuments ist ein Änderungswunsch, egal wie es in der E-Mail heißt. Über diese Grenze wird am häufigsten gestritten, deshalb gehört sie ins Dokument, bevor Termindruck entsteht. Eine Standardseite dauert etwa eine Woche, und das lässt keinen Raum, sie mittendrin neu zu definieren.
Was das Dokument nicht lösen kann
Die erste Lücke sind Inhalte. Die Seitenstruktur lässt sich Feld für Feld beschreiben, während die Umsetzung auf Texte und Fotos des Kunden wartet. Was hilft: im Dokument früh festhalten, was wir vom Kunden brauchen, damit die Abhängigkeit rechtzeitig sichtbar ist. Die zweite Lücke sind Drittsysteme: Zahlungsanbieter und Werbeplattformen ändern ihr Verhalten ohne Ankündigung, deshalb wird jede Integration im Dokument benannt.
Der dritte Fall ist ein Kunde, der noch nicht weiß, was er will. Ein Pflichtenheft erzwingt frühe Entscheidungen, und manche davon kommen zu früh. Dann schlagen wir eine kleinere erste Umsetzung vor, mit einem Umfang, der sich genau beschreiben lässt, und lassen den Rest für eine spätere Runde.
Wenn die Leistungsbeschreibung stimmt, entspricht die Schlussrechnung dem Angebot plus den schriftlich vereinbarten Änderungen.
Wie wir solche Projekte abgrenzen und bepreisen, steht unter Leistungen.


